Bahnlärm und DB-Planungen

Es reicht nicht aus, die Problematik lediglich auf den Punkt “Bahnlärm” zu reduzieren. Vielmehr muss dafür gesorgt werden, dass Bonn weiterhin über eine gute Fernverkehrsanbindung verfügt.

Seit einigen Wochen wird viel in den regionalen Medien über das Thema “Bahnlärm” berichtet. Leider wird die Thematik grundsätzlich sehr eindimensional gesehen und oft nur auf diesen einen Punkt reduziert. Doch bei allem Verständnis für die Betroffenen: Eine solche Betrachtungsweise wird dem grundsätzlichen Problem leider nicht gerecht!

Güterzug an der Bahnschranke Rheinweg, 24.10.06 (jpg)
Immer mehr Güterzüge rauschen durch Bonn und sorgen wegen des Lärms bei der Bevölkerung für Unmut. Das Foto entstand am Bahnübergang Rheinweg.

Die Bahn AG hat den Personen-Fernverkehr massiv reduziert. Dies geht u.a. aus der Verwaltungsstellungnahme “Verdichtung des Zugverkehrs durch Güterzüge (…)” (vgl. BoRis Drucksachennummer 0611700ST3) hervor. Hierin ist folgende Tabelle veröffentlicht:

aus Drucksachen-Nr. 0611700ST3 (jpg)
Die Tabelle veranschaulicht die Reduzierung der Personen-Fernverkehrszüge auf der linksrheinischen Strecke; die Veränderung kam durch die neue Schnellbahntrasse Köln – Frankfurt/Main zustande.

In der gleichen Stellungnahme der Verwaltung heißt es zu der weiteren Entwicklung: “Nach einer aktuellen Aussage der DB sind derzeit keine weiteren Reduzierungen im Fernreiseverkehr geplant.”

Am 31.07.2006 hatte es einen Bürgerantrag (vgl. BoRis Drucksachennummer 0612034) gegeben, der die Oberbürgermeisterin aufforderte, sich der Thematik anzunehmen und u.a. mit anderen betroffenen Städten des Rheintals in Kontakt zu treten.

In dem Schreiben an die Oberbürgermeisterin (vgl. externes Dokument der Drucksachennummer 0612034) heißt es u.a.:

aus Bürgerantrag Wimmer zu Bahn AG, 31.07.jpg

OB Dieckmann hat nun reagiert; in einer Pressemeldung der Stadt vom 16.10.06 steht u.a.:

“Die Stadt Bonn will eine kommunale Front gegen zunehmenden Lärm auf den Rheintal-Bahnstrecken bilden, die sich aus einer erheblich wachsenden Zahl von Güterfernzügen ergeben. Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann hat 20 Städte und Gemeinden, darunter die Städte Koblenz, Mainz und Neuwied eingeladen, die Interessen an der ca. 190 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen der Bundesstadt und der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zu bündelnd, ‘um gemeinsam dem Anliegen nach mehr Schutz vor Bahnlärm den entsprechenden Nachdruck verleihen zu können.’”

Leider geht die Stadt in der Mitteilung letztlich nur auf den Bahnlärm, die Schrankenschließzeiten sowie Ober- und Unterführungen, jedoch nicht auf das Kernproblem ein.

Bärbel Dieckmanns SPD-Parteifreund, der Bonner Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber, hat sogar eine Interessengemeinschaft Bahnlärm im Bundestag gegründet. Es ehrt Herrn Kelber, dass er sich dem Problem des Bahnlärms annehmen möchte. Doch ebenso wie OB Dieckmann scheint er nicht das Kernproblem erkannt zu haben:

So müsste dafür gesorgt werden,
- dass Bonn weiterhin über eine gute Fernverkehrsanbindung Richtung Mainz bzw. Hamburg verfügt,
- dass die Bonner City viel besser an den ICE-Bahnhof Siegburg angebunden wird,
- dass auch über eine direkte Bahnanbindung an den Flughafen Köln/Bonn nachgedacht wird.

Anhand der Planungen ist deutlich erkennbar, dass Bonn immer mehr vom Fernverkehr abgekoppelt wird. Es besteht dringend Handlungsbedarf; die Stadtspitze müsste sich mit der Bahn endlich an einen Tisch setzen. Ansonsten wird der Bonner Hauptbahnhof tatsächlich zu einem Provinzbahnhof. Dies wäre mit Blick auf die in Bonn angesiedelten Institutionen und Unternehmen absolut inakzeptabel.

Leider haben die Verantwortlichen der Region schon vor einigen Jahren versagt: So hätte die ICE-Trasse durch Bonn, zumindest über Beuel führen müssen. Spätestens in dem Augenblick, als mit dem Bau der Schnellbahnstrecke Köln-Frankfurt/Main begonnen wurde, hätte die Stadtspitze reagieren und eine bessere Anbindung an den ICE-Bahnhof Siegburg planen sowie umsetzen müssen. Doch wie wir alle wissen, wartet Bonn noch heute auf eine solche Anbindung. Statt klevere Lösungen zu erarbeiten, denkt man über eine parallel zu der rechtsrheinischen Bahntrasse verlaufende S-Bahnstrecke in Beuel (Stichwort “S13″) nach.

Bärbel Dieckmann und Ulrich Kelber setzen sich leider nicht ernsthaft mit dem Gesamtthema auseinander; vielmehr versuchen sie vom eigenen Versagen abzulenken, indem sie de facto nur über den Bahnlärm sprechen.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Natürlich muss die Bahn dazu gedrängt werden, auf der Rheinschiene moderne Güterzüge einzusetzen. Ansonsten wird die Lärmbelästigung für Anwohner künftig kaum mehr zu ertragen sein. Doch letztlich ist die Zunahme des Güterverkehrs logische Folge einer verfehlten Politik.

Der BBB hatte im August eine Presseerklärung zu dem Thema veröffentlicht:
Presseerklärung, 16.08.06, Planungen der Bahn AG (pdf)

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2 Kommentare


  1. [...] Seit einigen Monaten wird regelmäßig über den Bahnlärm diskutiert. Wie bereits in meinem Blog-Beitrag “Bahnlärm und DB-Planungen” vom 26.10.2006 beschrieben, wurde der Personen-Fernverkehr massiv reduziert. Mit der Anfrage soll geklärt werden, ob dieser Trend sich weiter fortsetzt. So wird die Verwaltung um Beantwortung folgender Fragen gebeten: [...]

    Posted 19. Januar 2007, 00:05

  2. [...] Bahnlärm und DB-Planungen (Blog-Beitrag vom 26.10.06) – Fernverkehrsverbindungen von/nach Bonn (Blog-Beitrag vom [...]

    Posted 31. März 2007, 19:40

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