Fragen zum Bonner Festspielhaus Beethoven
Der Grundsatzbeschluss zum Bonner Fespielhaus Beethoven soll am Mittwoch (13.06.07) durch den Stadtrat beschlossen werden. Am Tag zuvor berät die Bezirksvertretung Bonn in einer Sondersitzung über das Thema. Änderungsanträge gestellt; verschiedene Fragen; persönliche Bewertung.
Das neue Festspielhaus soll zwischen Beethovenhalle und Rhein gebaut werden. Mit Sicherheit keine “1A-Lösung”. (Foto: J. Schott, 06/2005)
Wie berichtet haben sich drei Bonner Dax-Unternehmen (externer Link) bereit erklärt, ein Festspielhaus Beethoven zu bauen. In der Präambel der Beschlussvorlage (siehe BoRIS, Drucksachennr. 0711588 [externer Link]) heißt es hierzu:
“Die Deutsche Post World Net, die Deutsche Telekom AG und die Postbank AG haben sich bereit erklärt, an ihrem gemeinsamen Unternehmensstandort Bonn ein architektonisch und akustisch hochkarätiges Konzerthaus (mit einem differenzierten Raumangebot) zu bauen. Dieses Bekenntnis der drei großen DAX-notierten Unternehmen zu Bonn bietet die einmalige Chance, ein so ambitioniertes Ziel, das Bonns Ruf als Beethoven-Stadt entscheidend festigt, ins Visier zu nehmen und es dann auch zu verwirklichen. Deshalb muss diese Chance unbedingt genutzt werden.”
Als Standort wird das Areal zwischen Beethovenhalle und Rhein vorgeschlagen (vgl. Beschlussvorlage, Drucksachennr. 0711588, Punkt 2). Der BBB lehnt in einem Änderungsantag eine vorzeitige Standortfestlegung ab. Vielmehr müsse zunächst eine Standortdiskussion geführt werden. Zudem seien verschiedene Punkte zu klären. Den Änderungsantrag können Sie ebenfalls im BoRIS, Drucksachennr. 0711588AA3 (externer Link), abrufen.
Auch die Grünen haben Änderungsanträge gestellt, die ebenfalls im BoRIS abrufbar sind. Ein Beschluss für einen Neubau eines Festspielhauses sei derzeit nicht vertretbar, insbesondere aufgrund der Folgekosten.
Die Bonner Oper gilt als sanierungsbedürftig. Über die Zukunft der Halle müsste im Rahmen der Planungen eines Festspielhauses Beethoven ebenfalls beraten werden. (Foto: J. Schott, 06/2005)
Es müssen meines Erachtens folgende Fragen zu dem Themenkomplex substanziell beantwortet werden:
Mit welchen Folgekosten (Unterhaltskosten, kulturellen Betriebskosten) ist jährlich zu rechnen?
Wie kann das Ziel erreicht werden, dass keine zusätzlichen Belastungen für den städtischen Haushalt auftreten?
In diesem Zusammenhang: Sollte nicht eine gemeinnützige Stiftung gegründet werden, die das Gesamtprojekt (Bau und Unterhalt/Betrieb) stemmt? Oder macht es tatsächlich Sinn, in gewisser Weise zweigleisig zu fahren?
Welche Auswirkungen wird die Steuerrückzahlung in Höhe von 300 Mio. Euro auf die kulturellen Einrichtungen insgesamt haben?
Wie sieht nach dem beabsichtigten Bau des Festspielhauses die Zukunft der Oper und der Beethovenhalle aus?
Wieviele vergleichbare Konzertsäle gibt es in NRW bzw. der Region?
Was wird momentan in anderen Städten an Konzert- bzw. Veranstaltungsräumlichkeiten geplant? (Vgl. Blog-Beitrag vom 02.05.07: Mehrzweckhallen an Rhein und Ruhr)
Meine persönliche Bewertung:
Die Bereitschaft der drei DAX-Unternehmen ist zu begrüßen. Zugleich muss aber die kritische Frage erlaubt sein, in welcher Höhe die Unternehmen eigentlich an die Stadt noch Steuern zahlen. Die Steuerrückzahlung von 300 Mio. Euro an eines der Unternehmen macht mich schon etwas stutzig.
Die Rahmenbedingungen für ein derartiges Großprojekt müssen stimmen. Vor dem Hintergrund, dass die Stadt finanziell anscheinend “mit dem Rücken zur Wand” steht, muss insbesondere an die Folgekosten und das finanzielle Risiko für die Allgemeinheit gedacht werden. Ein Prestigeobjekt, dessen Konzeption und Finanzierung nicht im Vorfeld detailiert geklärt wurde, könnte weitreichende finanzielle Folgen haben. Auch sollte man sich anschauen, wie es woanders läuft: So ist beim Festspielhaus Baden-Baden (externer Link) eine private Stiftung Trägerin der Betreiber-GmbH.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die “Marke” Beethoven muss ausgebaut werden. Letztlich ist ein modernes – in Gestaltung und Raumakustik einzigartiges – Konzerthaus absolut notwendig. Dieses Festspielhaus Beethoven sollte ein Markenzeichen für die Stadt werden und muss sich mit den berühmten Konzertsälen der Welt messen lassen können. Trotzdem darf die Kommunalpolitik nicht die Augen vor möglichen Problemfeldern verschließen, sondern muss die Beantwortung und Klärung möglichst frühzeitig einfordern.
Die Bezirksvertretung Bonn berät über das Festspielhaus am Dienstag, 12.06., ab 17 Uhr im Sitzungsraum I des Stadthauses.
Der Stadtrat beschließt über den Grundsatzbeschluss voraussichtlich am Mittwoch, 13.06., ab 18 Uhr im Ratssaal des Stadhauses.
Weiteres zum Thema in der Kategorie Festspielhaus.
[...] Bisher sind viele Detailfragen noch nicht öffentlich beantwortet worden. Es muss meines Erachtens sicher gestellt werden, dass die Betriebskosten durch eine Stiftung finanziert werden und der städtische Haushalt nicht zusätzlich belastet wird. Meine persönliche Bewertung sowie verschiedene Fragen zum Projekt habe ich bereits am 10.06.2007 veröffentlicht. [...]
Posted 21. März 2008, 12:09Sehr geehrte Damen & Herren,
bitte überprüfen Sie ihre website (Schrift & Schriftform), die Texte werden leider nicht in Original angezeigt!
mfg
Posted 23. März 2009, 06:18Willnauer
[...] Juni 2007 habe ich verschiedene Fragen zum Bonner Festspielhaus formuliert; den Beitrag können Sie hier abrufen. Obwohl nun bereits seit zwei Jahren über das Großprojekt debattiert wird, sind nach wie vor [...]
Posted 11. April 2009, 20:31