Bonner Politiker: “Das Melbbad bleibt erhalten”

Wie berichtet fand am Mittwoch (21.05.2008) eine Sondersitzung zum Melbbad statt. Die politischen Vertreter haben sich überparteilich zum Erhalt des Melbbads bekannt; dennoch besteht kein Anlass zur Euphorie.

Melbbad, 07.03.2008, Foto 1
Nach wie vor ist unklar, wie es mit dem Melbbad genau weiter geht.

Um das Ergebis vorwegzunehmen: Die anwesenden Sportpolitiker und Bezirksverordneten haben sich zum Erhalt des Melbbads bekannt und die Stadtverwaltung beauftragt, verschiedene Varianten zu prüfen. Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung beschlossen die Bürgervertreter einen gemeinsamen Antrag, der sich aus Teilen mehrerer Änderungsanträge zusammensetzt. Erfreulicherweise wurden die Kernpunkte des von mir gestellten Änderungsantrags (DS 0811229AA6, externer Link) übernommen. Der einstimmig beschlossene Antrag hat folgenden Wortlaut:

“1.) Die Verwaltung wird beauftragt, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Wiedereröffnung des Melbbades – möglichst zur Freibadsaison 2009 – zu realisieren.

2.) Das Melbbad bleibt bestehen. Die Prüfung der Sanierung des Melbbades als Naturbad wird befürwortet.

3.) Die Verwaltung wird beauftragt – auf der Grundlage des Ratsbeschlusses vom 30.08.2007 („Die Freibäder bleiben erhalten“, DS-Nr. 0612717NV8) – zeitnah, spätestens aber bis zur Ratssitzung am 23.10.2008

3.1) alle zielführenden technischen Lösungsvarianten zum Erhalt des Melbbades darzustellen und zu bewerten,

3.2) für jede Lösung die erforderlichen Aufwendungen zu berechnen und

3.3) Finanzierungsmodelle aus eigener Kraft (z.B. Mittelumschichtung, Fremdkapitaleinsatz) oder durch Betreibermodelle (z.B. Investorenlösung) vorzuschlagen.

3.4) Zusätzlich soll geprüft werden, wie sich die zukünftige finanzielle Planung darstellt, wenn alternative Flächennutzungen erfolgen, wie z.B. die Reduzierung von Wasserflächen in der Gesamtheit (z.B. Einrichtung eines 25-Meter-Beckens, Nichtschwimmerbeckens).”

Den interfraktionell gestellten Antrag können Sie im Bo-RIS abrufen (externer Link).

Als Mitglied der Bezirksvertretung Bonn und Teilnehmer der Sitzung habe ich ein etwas längeres Statement abgegeben, dass Sie hier in Auszügen nachlesen können:

“Die vorliegende Verwaltungsvorlage (DS 0811229, externer Link) zum weiteren Vorgehen in Sachen Melbbad ist enttäuschend. So schlägt die Stadtverwaltung vor, „die Einrichtung eines Naturbades / Naturbadesees im Melbbad umfassend zu prüfen und [...] bis zum Herbst 2008 eine Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten.“

Die Anregung der Bezirksvertretung (DS 0810845NV3, externer Link) sah vor, dass die Verwaltung umgehend verschiedene Sanierungsvarianten erarbeitet. Doch die Vorlage wird dem Beschluss nicht gerecht; sie ist weder methodisch sauber noch nachvollziehbar und in sich schlüssig. Es handelt sich vielmehr um eine „Scheinprüfung“.

Seit Anfang des Jahres weiß die Stadtspitze, dass das Melbbad grundlegend saniert werden muss. Nun legt man eine Beschlussvorlage vor, in der noch nicht einmal das halbherzig favorisierte Naturbad bzw. der Naturbadesee auf seine Machbarkeit hin untersucht wurde.

Meines Erachtens müssen alle Varianten untersucht und benannt werden. D.h.: Die Möglichkeiten müssen zusammengetragen, dezidiert beschrieben und dann bewertet werden.

Es gibt auf jeden Fall sehr unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten. Hier ein paar Stichworte:

- Komplettsanierung des Bades,

- neuer Zuschnitt / Verkleinerung der Badeflächen und ein neues Gesamtkonzept (z.B. Integration einer Saunenanlage und eines gastronomischen Betriebes),

- Schaffung eines Badesees bzw. Naturbades.

Ich persönlich favorisiere ein kreatives Gesamtkonzept! Es sollte untersucht werden, ob nicht doch ein “Kombibad” denkbar wäre.

Zwischen einem Naturbad und einem Naturbadesee muss unterschieden werden.
Es handelt sich hierbei nicht um das Gleiche! Vor- und Nachteile müssen schnellstmöglich aufgezeigt werden. Möglicherweise ist die Naturbad-Lösung nur scheinbar günstig; so könnte es nach mehreren Jahren zu einem „Kosten-Bummerang“ werden. Wie sieht es beim Naturbad z.B. mit den Personalkosten aus?

Immer wieder werden die „weichen Standortfaktoren“ unserer Stadt betont. Hierzu gehören auch die Schwimmbäder, die mit dazu beitragen, dass Bonn eine attraktive und lebenswerte Stadt ist. Die Bürgerinnen und Bürger, die Familien der drei DAX-Unternehmen und der in Bonn angesiedelten Unternehmen wollen ihre Freizeit attraktiv gestalten. Hierzu gehört ein Freibad wie das Melbbad.

Das Melbbad ist für den gesamten Bonner Südwesten d a s Freibad. Wir sollten das Poppelsdorfer Schwimmbad auf jeden Fall retten, denn:

- Das Melbbad hat einen hohen Naherholungswert für die Bewohner der angrenzenden Stadtteile Poppelsdorf, Südstadt, Kessenich, Venusberg, Ippendorf, Röttgen, Ückesdorf und Lengsdorf. Ich hoffe, dass ich keinen Stadtteil vergessen habe.

- Es ist bei Familien, Schülern, Studenten, Senioren und Singles gleichermaßen beliebt.

- Für viele Menschen ist das Melbbad im Sommer d e r Treffpunkt. Studenten absolvieren hier schon seit Jahrzehnten den berühmten „Melbschein“.

- Wir können in unserer Stadt viel über Themen wie Jugendpolitik und Integration debatieren: Es gibt meines Erachtens keine bessere Integrations- und Jugendpolitik als die Förderung von Sporteinrichtungen und Freibädern.

- Stichwort „Schwimmfähigkeit“: 1/3 der Grundschulkinder können nicht mehr richtig schwimmen. (Vgl. http://www.presseportal.de/meldung/1085984/, externer Link). Der Ertrinkungstod ist mittlerweile eine extrem häufige Todesursache in Deutschland.

Um es auf den Punkt zu bringen: Das Melbbad ist mehr als nur ein „Kultbad“! Es dient der Gesundheitsprävention, hat einen sehr hohen Freizeitwert und ist in allen Bevölkerungsschichten äußerst beliebt.

Ich warne davor, den Etat für Schwimmbäder und Sporteinrichtungen gegen den Kulturetat „auszuspielen“. Allerdings müssen uns doch die Vergleichszahlen zu Denken geben [...].

Alle möglichen Varianten müssen geprüft und mit einem “Preis-Etikett” versehen werden. Anschließend kann man sich für eine der Möglichkeiten entscheiden und die Finanzierungsfrage klären. Es ist enttäuschend, dass schon so viele Wochen vergangen sind und uns dennoch keine neuen Erkenntnisse präsentiert werden.”

BBB-Plakat, Rettet das Melbbad, Bonn-Poppelsdorf, 10.04.2008
Der BBB wirbt seit einigen Wochen in Poppelsdorf für die Rettung des Melbbads (Fotos: J. Schott).

Bewertung der momentanen Situation: Die Sitzung verlief positiver, als im Vorfeld befürchtet. Nun werden – neben dem Naturbad / Naturbadesee – immerhin auch die anderen Varianten durchgeprüft. Der Verwaltung wurde eine mehrmonatige “Schonfrist” eingeräumt: Sie muss erst im Herbst die Prüfungsergebnisse vorlegen.

Ursprünglich sollte ein derartiges Papier bereits in dieser Woche vorgestellt werden; dies hatte die Bonner Bezirksvertretung vor 7 Wochen gefordert. Somit verzögert sich die Sanierung des Melbbads voraussichtlich um mindestens eine Saison. – Schade!

Für den Augenblick ist der am Mittwoch gefasste Beschluss ein Erfolg, allerdings kann er sich schnell als “Scheinerfolg” erweisen. Ob und wie das Melbbad gerettet wird, steht leider nach wie vor “in den Sternen”…

Weiteres zum Thema finden Sie in der Kategorie Melbbad.

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2 Kommentare


  1. [...] Impressum « Bonner Politiker: “Das Melbbad bleibt erhalten” [...]

    Posted 24. Mai 2008, 23:01

  2. [...] Der einstimmig gefasste Beschluss der Melbbad-Sondersitzung (“Alle Varianten werden geprüft”) wird nun verworfen. Es muss befürchtet werden, dass [...]

    Posted 13. Juni 2008, 23:47

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