WCCB: Wo bleibt die Selbstkritik?

Derzeit werden immer neue Details zur “Millionenfalle WCCB” veröffentlicht. Im Bonner General-Anzeiger (WCCB: Die Millionenfalle, Teil VII, externer Link) heißt es:

“Nach einer turbulenten Woche im Stadtrat mit aufgebrachten Ratsfrauen und -herren steuert Bonns Zukunftsprojekt unvermeidlich auf jenen Punkt zu, wo im WCCB-Theater der Vorhang hochgeht. Bisher wissen die Zuschauer nur: Es geht um viele Steuermillionen – seien es Zuschüsse von Bund und Land, seien es Kredite von der Sparkasse KölnBonn, für die wiederum und letztlich, wenn nach Murphys Gesetz alles schief läuft, die Stadt haftet und damit der Steuerzahler.”


Das Kongresszentrum könnte sich zum Millionengrab entwickeln…

Die Empörung der Kommunalpolitiker, der Bürger und der Lokalpresse ist durchaus nachvollziehbar. Allerdings möchte ich heute einmal ganz bewusst die Frage stellen: “Wo bleibt eigentlich die Selbstkritik?”

Fakt ist: Im Jahr 2005 herrschte eine große Einigkeit. So schrieb am 1. Dezember 2005 der General-Anzeiger (Der Vertrag mit SMI Hyundai ist unterschriftsreif, externer Link):

“Das wichtigste Bauvorhaben der Stadt rückt in greifbare Nähe: das Internationale Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (IKBB). Der Rat wird am 14. Dezember voraussichtlich einstimmig Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann beauftragen, mit dem Investor SMI Hyundai einen Projektvertrag abzuschließen.”

Im Kommentar zum Artikel (An einem Strang, externer Link) war u.a. zu lesen:

“Alles andere wäre eine Blamage gewesen. Indem sich gestern alle Fraktionschefs samt Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann einmütig für das Kongresszentrum aussprachen und den Vertragsabschluss mit dem weltweit renommierten SMI-Hyundai-Konzern befürworteten, taten sie das, was die Bonner von ihnen erwarten: Sie ziehen in wichtigen Entscheidungen an einem Strang. Gut so. (…) Und wenn der Betrieb des Kongresszentrums tatsächlich ohne städtischen Zuschuss zu bewerkstelligen ist, wie es der Investor sagt, wäre das noch ein zusätzlicher Gewinn für die Stadt.”


Bei der Grundsteinlegung im Mai 2007 war die Welt noch in Ordung (Fotos: J. Schott).

Kritische Stimmen – wie der damalige Leserbrief meines Vaters – passten nicht in den Mainstream. Gesunder Menschenverstand wurde reihenweise “ausgeschaltet”, Kommunalpolitiker ließen sich von Wunschträumen blenden, windige Berater und unklare Vertragskonstruktionen wurden kaum hinterfragt.

Auch die Lokalpresse – die sich nun als investigativer Aufklärer feiern lässt – sollte ihre damalige Berichterstattung selbstkritisch hinterfragen. Die Empörung vieler Bürger kann ich zwar nachvollziehen, zugleich rächt sich nun aber auch die Zuschauermentalität: Informationsangebote – wie beispielsweise das Bürgergespräch zur Privatisierung öffentlicher Einrichtungen – werden nur von Wenigen besucht, Autoren wie Herr Dr. Rügemer (externer Link) kaum beachtet. Insofern habe ich mit der unkritischen Bevölkerungsmasse kein Mitleid. Sie wird für die Verluste durch höhere Steuern und Abgaben gerade stehen müssen.

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4 Kommentare


  1. super, dass du klare meinung beziehst. gerade der vorletzte satz gefällt :)

    Posted 6. September 2009, 19:24

  2. Hallo Johannes,
    ich finde deine Frage, wo die Selbstkritik bleibt, vollkommen berechtigt. An den kritischen Beitrag von deinem Vater kann ich mich sehr gut erinnern. Nach dem, was mittlerweile passiert ist, kann ich nur sagen: Hut ab! Trotzdem gefällt mir deine Antwort auf die Ausgangsfrage nicht. Die damalige Entscheidung des Rates für SMI Hyundai hat nichts mit einer “unkritischen Bevölkerungsmasse” zu tun. Ich finde, das ist eine Beschimpfung, die niemanden weiterbringt. Deine drei Bürgerbund Mitstreiter im Stadtrat haben ja genauso wie die anderen Stadtverordneten, Grüne incl., am 14.12.2005 dafür gestimmt, mit SMI Hyundai das Kongresszentrum zu bauen. Die einzige Gegenstimme, die es gab, kam wohl von Pia Heckes von der CDU. Gehören deine drei Kollegen vom Bürgerbund ebenfalls zur “unkritischen Bevölkerungsmasse”? Ganz bestimmt nicht. Es ist eben eine komplizierte Angelegenheit herauszukriegen, wie es zu der damaligen Entscheidung kam. Der General-Anzeiger, der durch seine Berichterstattung nicht unerheblich zu der Jubelstimmung um die WCCB-Erweiterung beigetragen hat, hat es sich in seinem ersten Teil der mittlerweile so gerühmten Folge “Der Millionenfalle” noch leicht gemacht: hätte bloß jemand auf die Seite von SMI Hyundai geklickt, dann hätte man doch gleich gesehen, um was für eine dubiose Firma es sich dabei handelt. Fragt man sich natürlich: Warum hat der General-Anzeiger 2005 diesen Klick nicht selbst gemacht? Vielleicht schaust du mal in meinen Beitrag – http://www.pass-weingartz.de/wccb.html#System – da findest du meinen Ansatz zur Erklärung der damaligen Entscheidung.
    Schöne Grüße
    Hans weingartz

    Posted 11. September 2009, 15:52

  3. [...] Skandal um das WCCB sorgt nun schon seit Wochen für Unruhe und Entsetzen; nach wie vor vermisst man bei vielen Akteuren die Selbstkritik. Leider häufen sich in den letzten Jahren in Bonn schwerwiegende Fehlentscheidungen; in diesem [...]

    Posted 3. Oktober 2009, 18:02

  4. Die grundsätzliche Idee zu dieser Seite ist wirklich super gut und die Umsetzung auch

    Posted 16. Oktober 2010, 02:09

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